15. Kongress der Pflege

Dresden 2003

 

Chimärismusanalysen nach allogener Blutstammzelltransplantation

 

Referent:     Dr. Christian Thiede,

                   Labor Molekulare Diagnostik, Medizinische Klinik und Poliklinik I,

                   Universitätsklinikum Dresden

 

Nach der Transplantation von Stammzellen eines verwandten oder unverwandten Spenders stammen die gesamten Blutbildenden Zellen und das Immunsystem vom Spender. Dieser Zustand wird als kompletter Chimaerismus bezeichnet. Um den Anteil der Spenderzellen im Blut zu erfassen, sind in der Zwischenzeit verschiedene Methoden entwickelt worden. Bei der Transplantation von einem weiblichen Spender auf einen männlichen Patienten (oder umgekehrt) können die Zellen durch Analyse der Geschlechtschromosomen (X und Y) unterschieden werden. Für die Analyse von Patienten und Spendern gleichen Geschlechts werden in der Zwischenzeit vor allem Methoden eingesetzt, die den genetischen Fingerabdruck der beiden Personen zur Grundlage haben. Hierzu wird aus dem Blut des Patienten die DNA isoliert und anschließend werden mit der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) bestimmte Abschnitte der DNA vervielfältigt. Diese Abschnitte, sog. Short Tandem Repeats (STR), zeichnen sich dadurch aus, dass sie zwischen verschiedenen Personen sehr unterschiedlich sind. Durch Vergleich dieser Sequenzen können Spender und Empfänger eindeutig unterschieden werden. Zusätzlich kann aber auch der Anteil der Spenderzellen damit sehr zuverlässig bestimmt werden. Wichtig ist die Erfassung des Anteils der Spenderzellen in verschiedenen klinischen Situationen. Unmittelbar nach der Transplantation steht vor allem die Frage des Engraftments, also des Anwachsens der Spenderzellen im Vordergrund. Bei Verdacht auf primäres oder sekundäres Transplantatversagen können durch die Analyse des Chimaerismus frühzeitig die Weichen für die notwendige Therapie gestellt werden. Neben der Untersuchung des Chimaerismus im Blut oder Knochenmark werden zunehmend Subfraktionen des Blutes untersucht, z.B. T-Zellen oder NK-Zellen. Die Analyse des Spenderanteils in diesen Zellen gibt zusätzliche Hinweise auf die Ursache des Transplantatversagens (z.B. Abstoßung). Ein weiterer wichtiger Aspekt nach erfolgtem Engraftment ist die Frage des drohenden Rezidivs der Grunderkrankung. Daher ist es sinnvoll, nach der Transplantation in regelmäßigen Abständen Kontrollen durchzuführen, um zu kontrollieren, ob es Veränderungen im Spenderanteil bzw. ein erneutes Auftreten von Patientenzellen gibt, die ein Hinweis auf ein drohendes Rezidiv der Leukämie sein könnten.