15. Kongress der Pflege

Dresden 2003

 

Erfahrungsbericht eines Patienten

 

Referent:     Thomas Lathan

 

Nach kurzer Darstellung des eigenen Krankheitsverlaufes werden persönliche Erfahrungen im Zuge der Knochenmarktransplantation vermittelt sowie auf die Bedeutung der Akzeptanz und Möglichkeiten der Krankheitsbewältigung der Erkrankung eingegangen.

Nach anfänglichem Nichtwahrhabenwollen des Leidens führte die langwierige Auseinandersetzung mit dem gesamten Möglichkeitsfeld von den Folgen meiner Erkrankung und ihrer eingreifenden Behandlungsmöglichkeiten zu einem ausgeprägten Willen, die Krankheit überstehen und besiegen zu wollen.

Nach der nüchternen und notwendigen Entscheidung, dass eine KMT die letztlich einzige Möglichkeit auf Heilung darstellte, folgte die intensive psychische und physische Vorbereitung auf diesen Prozeß. Hierbei spielten Erfahrungen, Ängste, Gedanken an das Sterben sowie die Sorge um meine Angehörigen eine große Rolle.

Das positive Ergebnis der Spendersuche hatte dann die Aufnahme auf die KMT - Station zur Folge. Diese Tatsache bedeutete das Verabschieden von Familie und Freunden sowie der Normalität im Kontakt mit meinen Angehörigen. In diesem Moment war einerseits die Ungewißheit für das Kommende und andererseits eine große Hoffnung auf Heilung meiner Erkrankung spürbar.

Die kommende Zeit auf Station sollte auf rund 22 qm stattfinden. Das bedeutete Behandlung, Intimität, Rückzug und Möglichkeiten von Beschäftigung auf engstem Raum. Der Alltag bedeutete, vorgeschriebene Abläufe einzuhalten und eigene Rituale zu kreieren.

Entsprechend des Zeitpunkts der KMT wurde ein Countdown bis zum Tag X gezählt. Dabei war die Nacht vor der Transplantation im Erleben besonders eindrucksvoll und im nachhinein wegweisend. Die Transplantation war mental sehr ergreifend. Es war sehr wichtig, all diese Gedanken mit einer mir nahestehenden Person teilen zu können. Die erforderliche intensive technische Überwachung verstärkten allerdings auch Ängste bzgl. eventuell vorkommender Unregelmäßigkeiten.

An den darauffolgenden Tagen wurden von mir und dem KMT Team kleinste Veränderungen an mir und den Laborparametern registriert. Die Behandlung als ”Vorzeige - Patient” löste einerseits ein Glücksgefühl, andererseits auch Zweifel aus, ob alles auch weiterhin so gut verläuft.

Nach rund vierzig Tagen Aufenthalt in meinem sicheren Zuhause folgte das Prüfen der Möglichkeit und die Vorbereitung auf das selbständige Wohnen im Klinikumfeld. Das Wohnen mit Gleichbetroffenen war sehr intensiv und stärkend. Es machte das Erlernen einer neuen Selbständigkeit im Umgang mit mir möglich.

Neben Familienangehörigen, Freunden, Ärzten und Betroffenen nahm während der Transplantation und der Nachsorge das pflegerische Personal eine Schlüsselposition ein. Sie übernahmen neben ”ursprünglichen” Aufgaben auch andere Leistungen, wie z. Bsp. emotionalen Beistand geben, beraterisch tätig zu sein oder einfach auch Spaß und Nähe zu vermitteln. Dies geschah, ohne dass je die Mündigkeit und Fähigkeit zur Mitarbeit des Patienten in Frage gestellt wurde.