15. Kongress der Pflege
Dresden 2003
Pflege in der Terminalphase
Das Sterben gestalten
Referentin: Christiane Rösler
Krankenhaus St. Joseph-Stift, Dresden
Zu den Grundbedürfnissen eines jeden von uns gehört der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben und frei von Schmerzen oder anderen quälenden Symptomen zu sein. Das trifft auch oder besonders auf die Wochen und Tage am Lebensende zu. Dies stellt hohe Anforderungen an die Menschen, die Sterbende begleiten. Es erfordert die ganzheitliche Wahrnehmung des Patienten, die Bereitschaft sich mit Leiden, Sterben und Tod auseinanderzusetzen und zur Kommunikation. Individuelle Betreuung erfordert Empathie, Kreativität und Flexibilität. Bedeutet, sich am Patienten zu orientieren und nicht umgekehrt. Unheilbare Erkrankungen bieten mit ihrem Prozeßverlauf die Möglichkeit, das Sterben individuell zu gestalten. Voraussetzung ist das Erkennen und die Akzeptanz des nahenden Todes. Denn damit verbunden ist eine neue Zielsetzung in der Behandlung und Pflege. Nicht mehr die Therapie steht im Vordergrund, sondern der Mensch, dessen Leben zu Ende geht. Der Mensch in seiner sozialen, geistig-seelischen und spirituellen Situation.
Eine Möglichkeit der körperlichen und seelischen Einflußnahme liegt in der Aromatherapie. Die über die Riechschleimhaut wahrgenommenen Düfte werden als Information direkt ins Stammhirn, dem Sitz des Limbischen Systems weitergeleitet. Das Limbische System ist Steuerzentrale für sämtliche Gefühle und vegetative Funktionen. Ein häufiges Problem in der Sterbebegleitung ist die Angst, die sich oft indirekt in innerer Unruhe, Mundtrockenheit, Appetit- und Schlaflosigkeit beim Patienten zeigt. Neben Psychotherapie, Entspannungstherapie und gegebenfalls medikamentöser Therapie zeigen hier ätherische Öle gute Wirksamkeit. Das Verdampfen ätherischer Öle im Raum bringt zudem den Vorteil, daß es Angehörige, die ebenfalls unter Angst leiden, in die Behandlung einschließt.
Generell sollen die Angehörigen eines sterbenden Patienten in die Betreuung einbezogen werden. So kann die Übernahme pflegerischer Tätigkeiten helfen, Hilflosigkeit zu kanalisieren, Akzeptieren zu lernen und Abschied zu nehmen. Das Entgegenbringen von Wertschätzung und Ermöglichung von Kommunikation unterstützt bei Abschied und Trauer. Die Gesprächsmöglichkeiten mit Pflegekräften, Ärzten, Seelsorgern und Psychologen wird ergänzt durch ein auf Station ausliegendes Buch, in dem Patienten, Angehörige und Personal ihre Ängste und Wünsche niederschreiben können. Auch Musiktherapie bietet die Möglichkeit Spannungen abzubauen oder Stimmungen zu beeinflussen. Einerseits durch die professionelle Arbeit eines Musiktherapeuten, als auch durch temporäres, dezentes Abspielen von Musik nach Wünschen des Patienten. Der “das Licht der Welt” erblickt hat, möge “das Licht am Ende des Tunnels sehen”. Auf die Symbolkraft einer brennenden Kerze, den Trost, die Hoffnung die von ihr ausgeht, muß bei Verwendung geeigneter Glasgefäße auch im Krankenhauses nicht verzichtet werden. Der Vortrag bezieht sich massgeblich auf Möglichkeiten zur Begleitung des Sterbens, auf parallel erforderliche Pflegemassnahmen wird nicht eingegangen.