Christina Erhardt, Krankenschwester, Basel
Problemstellung: In der Pflege und Behandlung finden fortlaufend Einschätzungen (= Fremdeinschätzungen) des klinischen und persönlichen Befindens des Patienten statt, durch die Pflegenden ebenso wie durch die Ärzte und andere kooperierende Dienste. Diese Sichtweise alleine ist einseitig. Daher wird auf der hämato-onkologischen Isolierstation seit Jahren die 10 cm lange Visuelle Analoge Skala (VAS) systematisch und routinemässig verwendet (vielfach zusammen mit anderen Instrumenten), um das subjektive Erleben der Patienten bzgl. Schmerzen, Übelkeit, Angst / Anspannung und (seltener) Juckreiz zu erfassen.
Ziel: Die vorliegende Arbeit evaluiert die Nutzung und Akzeptanz der Selbsteinschätzung mittels VAS bei Patienten und im behandelnden Team der hämato-onkologischen Isolierstation.
Methodik: Das Thema wird mittels 4 Strategien exploriert
Befragung des betreuenden interdisziplinären Team bzgl. Meinungen, Nutzung und Einschätzung zur VAS
Befragung der Patienten bzgl. Meinungen, Nutzung und Einschätzung zur VAS
Check der Dokumentation der Pflege und der medizinischen Wochenberichte bzgl. der Häufigkeit und Genauigkeit, wie VAS-Werte erfasst und verwendet werden
Beobachtung des pflegerischen Rapports bzgl. der Häufigkeit, wie VAS-Werte erfasst und verwendet werden
Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen eine hohe Akzeptanz und Verwendung der VAS im behandelnden Team.
Patienten nutzen die VAS mehrheitlich nur auf Anfrage, schätzen die VAS aber dennoch positiv ein. Beide plädieren eindeutig für die fortgesetzte Anwendung der VAS.
Das Verbesserungspotential für die pflegerische Praxis und interdisziplinäre Zusammenarbeit wird dargestellt. Es braucht erneute Schulung und Argumentationshilfe für die pflegerischen Mitarbeiterinnen, eine gezieltere Instruktion der Patienten und eine Propagierung der VAS bei kooperierenden Berufsgruppen.
Ausblick: Die Anwendung der VAS markiert einen bedeutsamen Kulturwandel zugunsten eines gelebten humanistischen Menschenbilds in der Pflege und Behandlung von Patienten. Das Instrument VAS eignet sich generell für die Erfassung weicher Daten, nicht nur in der Pflege und Behandlung unter den Bedingungen einer Spezialstation. Die Ergebnisse fokussieren auf die Pflegenden. Eine Exploration bei den kooperierenden Diensten wäre angezeigt.
Ein Blick über den Zaun – KMT in der Schweiz
Vorstellen der Abteilung:
Am UniversitätsSpital Zürich werden seit über 25 Jahren Knochenmarktransplantationen durchgeführt. In dieser Zeit gab es in Bezug auf Therapie und Pflege immer wieder Veränderungen und Anpassungen entsprechend den neuesten Erkenntnissen aus der Forschung. Auf der Abteilung für Knochenmarktransplantation und Leukämie in Zürich arbeiten Fachleute aus vielen verschiedenen Nationen. Gearbeitet wird in einem Interdisziplinären Team, dazu gehören Pflegende, Pflegeassistentinnen und eine Sekretärin. Auf unserer Abteilung werden neben TransplantationspatientInnen auch LeukämiepatientInnen und PatientInnen mit anderen haemato-/onkologischen Erkrankungen, die eine Chemotherapie benötigen, betreut.
Die spezielle Pflege:
Seit dem Umzug der Abteilung 1995 stehen 8 Zimmer mit einer Überdruck-Luftfilteranlage zur Verfügung, in denen PatientInnen behandelt werden können. Diese Luftfilteranlage hält den Gehalt der luftgetragenen Keime und damit das Infektionsrisiko für die PatientInnen möglichst gering. Die Luft ist auch außerhalb der Patientenzimmer, auf der restlichen Station „reiner“ als außerhalb der Station. Die meisten unserer Zimmer haben Aussicht auf den Park des Universitätsspitals. Fenster dürfen nicht geöffnet werden, aber die Aussicht wird von vielen PatientInnen geschätzt. Das Zimmer ist mit Plastikvorhängen unterteilt, die je nach Therapie und zu erwartender Aplasiezeit geöffnet oder geschlossen gehalten werden. Bei PatientInnen nach einer Knochenmarktransplantation sind die Plastikvorhänge geschlossen. Nur das Behandlungsteam hat Zutritt zum Patientenbereich. Um hinein zu gelangen müssen Mundschutz, Kopfhaube und ein unsteriler Übermantel getragen werden. Besonders während der Isolationszeit eines Patienten benötigen die Pflegende sehr viel Zeit, Energie und Konzentration, um präzise zu arbeiten. Das genaue und korrekte arbeiten ist auf einer Abteilung für Knochenmarktransplantation absolut notwendig, damit die Chancen des Patienten auf eine komplikationslose Heilung so groß wie möglich sind. Man muss darauf achten, dass die Tätigkeiten als Pflegende nicht nur auf die Behandlungspflege (d.h. den technischen Aspekt der Pflege) ausgerichtet ist. Das führt dazu, dass der Patient häufig nicht optimal informiert wird. Auch gibt es immer wieder Situationen, wo der Patient seine Mitarbeit verweigert. Dieses Phänomen der „Noncompliance“ entwickelt sich häufig durch mangelnde Informationen. Es ist erwiesen auf Grund von Studien und unsere Erfahrungen auf der Abteilung, dass Patienten, die eine gute Information erhalten haben, die Behandlung auch besser vertragen. Häufig bekommt der Patient von verschiedenen Personen Informationen. Diese Informationen werden meistens mündlich abgegeben.
Die Interdisziplinäre Zusammenarbeit:
Bei einer Behandlung von Patienten mit Leukämie oder Knochenmarktransplantation sind immer mehrere interdisziplinäre Dienste mit einbezogen. Aus verschiedenen Gründen sind diese Interdisziplinären Dienste entweder nicht oder zu spät im Pflegeprozess integriert worden. Bei Patienten ist das Thema Eintritt und Austritt ein Großereignis. Der Aufnahme ist geprägt von Angst und Ungewissheit, auf der Entlassung freuen die meisten Patienten sich natürlich sehr. Die Patienten leben auf den Austritt hin, der Austritt ist bereits beim Eintritt ein Thema, sie zählen die Tage. Im Rahmen von eines Projektes im Jahr 2000 haben wir versucht die Integration der verschiedenen interdisziplinären Dienste zu optimieren. Die Fragestellung dieses Projektes war: Wie können wir die Interdisziplinären Dienste optimaler im Pflegeprozess integrieren, so dass Patienten und Patientinnen davon profitieren? Nachdem ich mich national und international bei verschiedenen KMT-Zentren informiert habe, wie dort im Interdisziplinären Team zusammengearbeitet wird, haben wir verschiedene Verbesserungsvorschläge formuliert. Zum Beispiel haben wir Checklisten zur Optimierung der Informationen an Patienten und Patientinnen entwickelt. Die verschiedenen interdisziplinären Dienste stellen sich innerhalb ca. 72 Stunden bei den Patienten mit ihrem „Angebot“ vor. Vorher hat dieser Dienst sich erkundigt bei der zuständigen Pflegenden und liest die Pflegeanamnese des Patienten durch. Eventuell folgen aus diesem ersten Kontakt weitere Kontakte und / oder Termine. Anschließend schreibt der Dienst einen kurzen Bericht in die Pflegedokumentation in einer abweichenden Farbe, so dass gegenseitiger Informationsfluss gewährleistet ist. Nach einigen Monaten haben wir den Nutzen dieses Projekts evaluiert. Das Ergebnis kann man wie folgt zusammenfassen:
Nutzen für die Patienten:
§ eventuelle Probleme werden früh im Pflegeprozess erkannt
§ qualitativ bessere Betreuung und Nachbetreuung
§ weniger Doppelspurigkeiten
§ individuellere Betreuung/pflege
Nutzen für die Pflegenden:
§ Auseinandersetzung mit der Problematik die nicht nur die Behandlungspflege betrifft
§ Zusammenarbeit mit Interdisziplinären Diensten optimiert
§ Zielsetzungen erarbeiten und überprüfen in Zusammenhang mit der Pflegediagnostik
§ Pflegende werden sensibilisiert für Qualitätsaspekte und können sich mitbeteiligen an Veränderungsaktivitäten
Nutzen für die verschiedenen interdisziplinären Diensten:
§ eventuelle Probleme werden früh erkannt und angegangen
§ gute qualitative Betreuung und Nachbetreuung, da frühzeitiger Kontakt mit den Patienten und Angehörigen vorhanden ist
§ optimierte Zusammenarbeit mit den Interdisziplinären Diensten untereinander
§ optimierte Zusammenarbeit mit dem Pflegeteam der Abteilung
§ Patienten und das Pflegeteam profitieren vom Fachwissen aller Dienste
Das Ziel, die interdisziplinären Dienste optimaler auf der Abteilung zu integrieren ist erreicht worden. Was mich sehr gefreut hat ist, dass die Interdisziplinären Dienste und das Pflegeteam näher zu einander gekommen sind. Die Pflege macht schließlich einen Teil dieses interdisziplinären Dienstes aus.
Organisation und das Management:
Wie bereits erwähnt arbeiten auf unserer Abteilung viele Mitarbeiter mit verschiedenen Nationalitäten, was meiner Meinung einer Bereicherung für die Abteilung ist, weil viele verschiedene Ideen aus verschiedenen Ländern mitgebracht und vorgetragen werden. Auf unserer Station mit 8 Betten arbeiten:
Frühdienst 5 diplomierte Pflegende + 1 Pflegeassistentin.
Spätdienst 2 diplomierte Pflegende + 1 Pflegeassistentin.
Nachtdienst 1 diplomierte Pflegende (b.Bed. +1) + 1 Pflegeassistentin
Was macht die Abteilungsleitung um den Informationsfluss und das Einbringen von den Mitarbeitern zu fördern:
1x pro 6 Wochen findet eine Teambesprechung der Pflegenden statt
1x pro 3 Monate findet eine Besprechung mit den Pflegeassistentinnen und der Leitung der Abteilung statt. Während diesen Besprechungen können Anregungen, Vorschläge und Fragen besprochen werden.
Sterben und Tod sind immer noch Tabuthemen auch und gerade im Krankenhaus. Doch für Pflegekräfte ist er auch Teil des Alltags. Gibt es Möglichkeiten Wege in und aus diesem Spannungsfeld zu finden? Was brauchen Sterbende? Was brauchen Pflegekräfte? Wie gehe ich als Pflegekraft um mit dem Tod im Krankenhaus?
Die Anwendung Nicht-invasiver-Ventilationsverfahren (NIV) hat in den letzen 10 Jahren rasant zugenommen 1,2,3. Nicht-Invasiv heißt im Kontext dieser Fachsprache, die Applikation der Atemgase mittels einer Maske, also ohne endotracheale Intubation. Traditionell maschinelle Beatmung mit endotrachealer Intubation ist bei neutropenischen Patienten mit einer hohen Mortalitätsrate von bis zu 90% verbunden 4,5. In aktuellen Studien konnte gezeigt werden, dass die Anwendung von NIV bei dieser Patientenpopulation die Mortalität senken kann 6,7,8.
Insbesondere das Masken-CPAP erweist sich als hierbei relative einfach umsetzbare Form der NIV, die nicht unbedingt an den Kontext einer klassischen Intensivstation notwendig gebunden ist1. Dennoch müssen vor der Etablierung und bei der Anwendung von Masken-CPAP bestimmte Erfordernisse beachtet werden 9,10,11.
In diesem Workshop werden neben theoretischen Grundlagen vor allem eben die organisatorischen und die pflegerisch-praktischen Erfordernisse angesprochen, z. B.
welche Maskenformen stehen zur Verfügung, mit welchen potentiellen Pflegeproblemen sind bei der o. g. Patientenpopulation zu rechnen 12, usw. Die Geräteeinstellung und die Adaption der Maskenformen soll mittels CPAP-Geräte und dem entsprechenden Equipment dann vor Ort praktisch demonstriert und eingeübt werden.
Diese Ethikberatung orientiert sich an den lokalen Gegebenheiten und Charakteristika dieser Station. Monatlich einmal über einen Zeitraum von 90 Minuten fand eine Fortbildung in klinischer Ethik für alle Stationsmitarbeiter statt, die zum einen grundlegende theoretische Themen der klinischen Ethik behandelt zum anderen aber immer auch fallbezogen ist. Im Rahmen einer solchen 12 monatigen Fort- und Weiterbildung steht die Kompetenzvermittlung in ethischen Fragestellungen ganz im Vordergrund. Allerdings bietet dieses Vorgehen gleichzeitig die Möglichkeit der aktuellen Fallkonsultation an, da die MitarbeiterInnen der KMT-Station hinsichtlich ethischer Konflikte sensibilisiert sind und um die Möglichkeit eines Ethik-Konsils im konkreten Fall wissen. Dieses Projekt wird dahingehend wissenschaftlich begleitet, daß die Kompetenz in klinisch-ethischen Konfliktsituationen zu verschiedenen Zeitpunkten des Projektes evaluiert wird.
u.a. wurden folgende Themen bearbeitet:
Informend Consent
Ethik-Konsultationsdienst
Ethische Prinzipien
Ernährungs und Flüssigkeitstherapie bei terminal kranken Patienten
Stammzellforschung
Reproduktions- und Geschwisterethik
Ethische Fragen zur Stammzelltransplantation aus Nabelschnurblut
Therapieabbruch-Therapiebegrenzung nach Stammzeltransplantationen
Patientenverfügungen / Patientenselbstbestimmung
Neben der im Vordergrund stehenden umfassenden medizinischen Therapie, besteht bei vielen PatientInnen, die mit einer Knochenmark- oder stammzelltransplantation behandelt werden das Bedürfnis nach unterstützenden Angeboten, die ihre veränderte Lebenssituation und ihr psychisches Befinden stärker aufgreifen und mit einbeziehen. Dies erfüllt eine psychoonkologische Betreuung.
Eine Möglichkeit einer solchen Betreuung ist die Kunsttherapie.
Sie wird zunehmend in der Psychoonkologie eingesetzt mit dem Ziel der psychosozialen Stabilisierung und der Unterstützung im Copingprozess.
Kunsttherapie ist eine Therapieform, die verschiedene künstlerische Medien einsetzt.
Im gestalterischen Umgang mit diesen Medien wird PatientInnen ein Ausdruck von „inneren Bildern“ ermöglicht. Erfahrungen, Gefühle und Bedürfnisse, die verbal nicht geäussert werden können, werden formuliert. Gleichzeitig kann, in der Gestaltung zum Ausdruck Gebrachtes, sonst Unbewusstes betrachtet und bearbeitet werden.
Gleichzeitig wirken die Erfahrungen und Erlebnisse in der eigenen Gestaltung von Bildern und Objekten auf den Schaffenden zurück. Neue Verhaltensweisen und Lösungsmöglichkeiten können so in einem sicheren Rahmen erprobt werden.
Eine Überprüfung der Wirksamkeit der Kunsttherapie in der Onkologie findet zur Zeit durch Pilotstudien in verschiedenen Zentren im deutschsprachigen Bereich statt.
In der der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Klinikums der Ludwig-Maximilian-Universität München-Großhadern wird Kunsttherapie bei knochenmark- und stammzelltransplantierten PatientInnen eingesetzt. Die kunsttherapeutische Arbeit mit diesen Menschen wird anhand von Patientenbildern vorgestellt.
Musiktherapie ist ein freiwilliges Angebot für die Patienten der Stationen für KMT/SZT des Klinikums Nürnberg. Es umfasst rezeptive (hörende) und aktive Musiktherapie, aber auch Körperwahrnehmungs- und Entspannungsübungen. Aufgrund der besonderen Situation der Patienten findet die Musiktherapie in der Regel einzeln und im Patientenzimmer statt. Auf Wunsch der Patienten können auch Angehörige teilnehmen.
Die Therapieziele- und Inhalte sind bei den einzelnen Patienten sehr unterschiedlich.
Vorrangig ist der Wunsch nach Entspannung und Ablenkung. Nach näherem kennen lernen des Verfahrens wird Musik als Kraft- und Regenerationsquelle genutzt, als Möglichkeit, mit Hilfe seiner Phantasie aus der Isolation auszubrechen und als Ventil, aufgestaute Gefühle loszuwerden - um nur einige Ziele zu nennen.
Mit meinem Vortrag möchte ich anhand eines Fallbeispieles einen Einblick in die Praxis meiner Arbeit geben und die unterschiedlichen Wirkungsweisen von Musik aufzeigen.
Die psychologische Mitbetreuung gehört in der 5. Medizinischen Klinik des Städtischen Klinikums Nürnberg zur Regelversorgung der Patienten. Die drei großen Allgemeinstationen werden über einen psychoonkologischen Konsiliar-Liäsondienst der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie unterstützt. In der Abteilung für KMT und einer weiteren hämatologischen Intensivstation ist die Psychologin direkt den Stationsteams zugeordnet. Ziel des Vortrags ist zu zeigen, welche Schwerpunkte sich für die psychologische Arbeit ergeben und wie die Integration in den Stationsalltag glückt.
Alle Patienten, die eine Zeit ihres Lebens auf der hämatologischen Intensivstation verbringen müssen, sind mit einer potentiell tödlichen Erkrankung konfrontiert, der eine nebenwirkungsreiche Therapie entgegengesetzt wird. Beides bringt enorme psychische Belastungen für die Patienten und deren Angehörige mit sich. Die psychologische Mitbehandlung soll von Anfang an dazu dienen, den Patienten, der oft zwischen Gefühlen von Angst und Hoffnung hin- und hergerissen ist, zu begleiten und damit den Prozeß einer guten Krankheitsverarbeitung zu erleichtern. Die erste Handlungsmaxime ist dabei eine humanistische, in zweiter Linie ergeben sich aber auch Implikationen für die Volksgesundheit: schließlich sind für eine Reintegration ins „normale“ Leben das psychische und das soziale Wohlbefinden eines Menschen ebenso entscheidend wie seine körperliche Gesundheit.
Die beiden therapeutischen Prinzipien, auf denen die psychologische Begleitung fußt, sind Niederschwelligkeit und Akzeptanz. Von onkologischen Patienten kann nicht erwartet werden, dass sie die verschiedenen psychosozialen Hilfsangebote von sich aus nutzen, da sowohl verschiedenartige Vorurteile gegenüber dem psychologischen Berufsstand (1. „haben alle selber einen Schlag“, 2. „stochern in Geschichten rum, die sie nix angehen“, 3. „analysieren einen immer gleich“) als auch eine Mentalität von Tapferkeit die Regel sind. Daher erfolgt die Kontaktaufnahme automatisch zu jedem Patienten innerhalb der ersten Tage seines stationären Aufenthalts; die Standardisierung des Vorgehens sowie das persönliche Kennenlernen der ominösen „Psychologin“ senken die Hemmschwelle, derartige Unterstützung in Anspruch zu nehmen, drastisch ab. Für den ersten und alle weiteren Kontakte gilt das Prinzip der Akzeptanz, d.h. es geht nicht darum, den Patienten verändern zu wollen, sondern ihn bedingungslos so anzunehmen, wie er im Moment ist. Damit schafft der psychologische Kontakt im reglementierten Klinikalltag, der viel Anpassung erfordert, weitere kleine Oasen des „So-sein-Dürfens“. Thematisch geht es häufig um den Umgang mit der Krankheit, die medizinische Behandlung im Krankenhaus, die sozialen Bezüge des Patienten wie Familie und Beruf, diffuse und konkrete Ängste und um biographische Details, die sich in „gelebtem“ oder „nicht gelebtem Leben“ niederschlagen.
Von großer Wichtigkeit ist das Zusammenspiel der verschiedenen Berufsgruppen innerhalb einer Station. Als zentrales Element dienen hierfür die Gremien eines regelmäßigen Informationsaustauschs: Übergaben, Visiten und eine interdisziplinäre Stationsbesprechung. Darüber hinaus gilt auch für den Kontakt mit den Kollegen das Prinzip der Niederschwelligkeit: oftmals fließen die entscheidenden Informationen im informellen Gespräch zwischen Tür und Angel. Dem wird genügend Raum gegeben. Ziel einer guten berufsübergreifenden Zusammenarbeit ist nicht die gegenseitige Behinderung, sondern die gegenseitige Entlastung.
Nach allogener oder autologer Blutstammzelltransplantation besteht für die Patienten ein hohes Risiko, infektiösen Komplikationen zu erleiden. Nach langfristigen stationären Aufenthalten ist es erstrebenswert, ein sicheres System der ambulanten (häuslichen) Versorgung der Patienten zu etablieren, um stationäre Wiederaufnahmen zu vermeiden. 27 Patienten nach allogener (n = 20, HLA-identen Fremdspender und n=7, HLA-identen Geschwisterspender) und 10 Patienten nach autologer Blutstammzelltransplantation mit hämatologischen Neoplasien wurden von1999 bis 2002 in der Häuslichkeit wegen Infektionen in der Posttransplanationsphase behandelt. 17 Patienten erhielten Amphotericin B oder Fluconazol bei Pilzinfektionen, 23 Patienten wurde Ganzyclovir, Foscavir oder Azyclovir bei viralen Infektionen (CMV- oder HSV-Infektionen) via zentraler oder peripher-venöser Zugänge appliziert. Wir sahen bei keinem Patienten während und nach der Behandlung katheterassoziierten Komplikation (Infektion oder Thrombosen). Vier Patienten wurden wegen Progress der Erkrankung hospitaliziert, bei 2 Patienten sahen wir passagere Erhöhung der Kreatininwerte.
Insgesamt wurden Patienten an 885 Tage häuslich behandelt. Die pflegerische Versorgung der Patienten in der Posttransplantationsphase wurde in enger Zusammenarbeit zwischen dem Pflegepersonal der Transplantationseinheit, der hämotologischen Tagesklinik und des ambulanten Pflegedienstes nach einer standardisieten Pflegeanweisung realisiert. Es erfolgte ein spezielles Training der ambulanten Pflegedienste zur Behandlung immunsuppremierter Patienten, zum Umgang mit zentral oder peripher venösen Verweilkathertern, zum Verhalten bei infektiösen Komplikationen und zur Graft-versus-host-Erkrankung sowie in der Arzneimittelkunde.
Zusammenfassung: Wir konnten in einer Pilotphase zeigen, dass häusliches pflegerische Management in der frühen Posttransplantationsphase in der häuslichen Umgebung möglich und sicher ist. Die Zusammenarbeit zwischen der Transplantationseinheit und häuslichen Pflegediensten ist entscheidend, die Qualitätssicherung der häuslichen pflegerischen Versorgung muß im Vordergrund stehen. Die Patienten bewerten diese Betreuung als Vorteil für ihre Lebensqualität nach allogener und autologer Transplantation.
Die toxische epidermale Nekrolyse (TEN) ist eine seltenen, aber lebensbedrohliche Hautreaktion mit einer Mortalitätsrate von etwa 40% unabhängig von der Ursache 1,2. Sie ist ebenfalls eine schwerwiegende Komplikation nach Knochenmark- bzw. Blutstammzelltransplantation (KMT/SZT) mit einer Mortalitätsrate von fast 100% 3,4,5,6. Sie ist charakterisiert durch eine Blasenbildung auf dem Boden eines großflächigen Erythems mit einem positiven Nikolsky Zeichen. Unweigerlich kommt es zu Blaseneröffnungen und zu großflächigen Ablösungen der Epidermis von mehr als 30% der Körperoberfläche.
Wir präsentieren hier unseren Pflegestandard im Kontext des gesamt pflegerischen Managements am Beispiel eines Fallberichtes. Die eindrucksvollen Hautveränderungen der 22 jährigen Patientin, die eine TEN an Tag + 12 entwickelte, sind fotographisch dokumentiert. Die pflegerischen Interventionen erfolgten in Übereinstimmung mit den von Supple 1997 veröffentlichten Empfehlungen.
Nach unserem Wissen gibt es nur wenige pflegerische Veröffentlichungen zum Thema spezielle Hautpflege bei bestimmten Manifestationen nach KMT/SZT.
Die korrekte Behandlung der Hautreaktionen bei der TEN ist eine Herausforderung für die Pflege und benötigt weitere Untersuchung. Dennoch ist die TEN mehr als nur eine schwere Hautreaktion, sie kann alle Organsysteme betreffen und erfordert deshalb nicht nur eine spezielle Hautpflege 7,8 sondern ein von Anfang an umfassendes intensives pflegerisches Assessment und gezielt geplante Interventionen 9,10.
Literatur beim Verfasser
Projektpräsentation "Primary Nursing"
Im Zuge sich anbahnender Veränderungen, i.e. DRG's, sowie dem nie
verhallenden Ruf nach mehr Professionalität in der Pflege entdeckt man auch in Deutschland seit Mitte der neunziger Jahre ein eigentlich schon leicht
angestaubtes Pflegemodell aus den USA.
Marie Manthey, eine Krankenschwester aus Minneapolis, entwickelte diese Form der Pflegeorganisation bereits Ende der sechziger Jahre. Diese fand in den siebziger Jahren Verbreitung in den USA. In den achtziger Jahren schwappte diese Entwicklung auch über den grossen Teich, sodass Primary Nursing auch in Grossbritannien, Skandinavien, Afrika und Australien
Nachahmer fand.
Grundlegender Gedanke des Systems ist eine kontinuierliche Betreuung des Patienten durch ein und dieselbe Pflegekraft während des gesamten Aufenthaltes. Sie ist Ansprechpartner für alle sich stellende Probleme und Fragen. Die Primary Nurse (PN) plant und evaluiert, überwacht und kritisiert.
Die PN ist die massgebliche Schnittstelle im Kontakt mit allen an der Pflege beteiligten Berufsgruppen, sie ist direkter Ansprechpartner des Patienten. Die PN ist, innerhalb der geltenden Standards, autark in der Planung der Pflege ihres Patienten, sie gibt die Grundrichtung vor, an der sich alle anderen Pflegekräfte zu orientieren haben. Jede PN ist automatisch Associated Nurse (AN), sofern sie andere Patienten betreut.
Das Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität startete im Jahre 2000 eine Pilotphase (bis März 2003) zur klinikweiten Einführung von PN, an der sich auch die KMT-Station als Pilotstation beteiligt.
Im Rahmen der Projektpräsentation soll auf den speziellen Aspekt der Praktikabilität auf einer derart speziellen Station, ebenso wie auf die Klärung wichtiger, im Zusammenhang mit Primary Nursing verwendeter Begriffe, eingegangen werden. Es werden keinerlei Aussagen darüber gemacht, ob Primary Nursing auf anders gearteten Stationen besser bzw. eher nicht zur Anwendung
kommen könnte bzw. sollte.
Projektpräsentation "Primary Nursing"
Im Zuge sich anbahnender Veränderungen, i.e. DRG's, sowie dem nie
verhallenden Ruf nach mehr Professionalität in der Pflege entdeckt man auch in Deutschland seit Mitte der neunziger Jahre ein eigentlich schon leicht
angestaubtes Pflegemodell aus den USA.
Marie Manthey, eine Krankenschwester aus Minneapolis, entwickelte diese Form der Pflegeorganisation bereits Ende der sechziger Jahre. Diese fand in den siebziger Jahren Verbreitung in den USA. In den achtziger Jahren schwappte diese Entwicklung auch über den grossen Teich, sodass Primary Nursing auch in Grossbritannien, Skandinavien, Afrika und Australien
Nachahmer fand.
Grundlegender Gedanke des Systems ist eine kontinuierliche Betreuung des Patienten durch ein und dieselbe Pflegekraft während des gesamten Aufenthaltes. Sie ist Ansprechpartner für alle sich stellende Probleme und Fragen. Die Primary Nurse (PN) plant und evaluiert, überwacht und kritisiert.
Die PN ist die massgebliche Schnittstelle im Kontakt mit allen an der Pflege beteiligten Berufsgruppen, sie ist direkter Ansprechpartner des Patienten. Die PN ist, innerhalb der geltenden Standards, autark in der Planung der Pflege ihres Patienten, sie gibt die Grundrichtung vor, an der sich alle anderen Pflegekräfte zu orientieren haben. Jede PN ist automatisch Associated Nurse (AN), sofern sie andere Patienten betreut.
Das Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität startete im Jahre 2000 eine Pilotphase (bis März 2003) zur klinikweiten Einführung von PN, an der sich auch die KMT-Station als Pilotstation beteiligt.
Im Rahmen der Projektpräsentation soll auf den speziellen Aspekt der Praktikabilität auf einer derart speziellen Station, ebenso wie auf die Klärung wichtiger, im Zusammenhang mit Primary Nursing verwendeter Begriffe, eingegangen werden. Es werden keinerlei Aussagen darüber gemacht, ob Primary Nursing auf anders gearteten Stationen besser bzw. eher nicht zur Anwendung
kommen könnte bzw. sollte.